Klar. Kunst und Kultur

Standpunkte

Meine Vorstellungen für die Kulturpolitik in Marburg:

Als ich ein Kind war, da bedeutete ein verkauftes Bild meines Vaters die Butter aufs Brot. In einem Künstlerhaushalt aufzuwachsen, mit allen Höhen und Tiefen, in dem natürlich Malerei, aber auch Literatur, Theater und Musik ständig präsent waren, hat mich und besonders mein Verständnis von Kunst und Kultur und ihrer Rolle für die Stadtgesellschaft entscheidend geprägt.

Kunst und Kultur bilden die Gegenwart ab, setzen sich mit ihr und mit der Geschichte auseinander. Sie wagen den Schritt aus der Gegenwart hinaus, bringen Grundfragen auf den Tisch. Kunst geht auf Distanz und hilft uns, uns selbst und die Gegenwart besser zu verstehen – wenn auch nicht immer einfach verständlich. Deshalb ist sie unverzichtbar.

Innovation – das sind Wissenschaft und Technik, aber genauso Kunst und Kultur. Und Marburg ist in jeder Beziehung eine Stadt des Weiterdenkens. Ich möchte, dass das so bleibt. Oft entdeckt man in der Kunst, im Erleben von Kultur eine neue Perspektive, auf die man sonst nicht gekommen wäre. Das gilt für das Sehen und das Hören von Werken anderer, aber ebenso wenn wir selbst aktiv singen, lesen, ein Instrument spielen, zeichnen oder uns sonst kulturell betätigen.

„Kunst ist Kunst, und Kulturpolitik hat dafür zu sorgen, dass sie unbehelligt entstehen und von vielen verstanden werden kann“, so hat es Matthias Altenburg, bekannt als Schriftsteller Jan Seghers, formuliert.

Für mich bedeutet Kulturpolitik die Förderung von Kunst und Kultur sowie kulturelle Bildung, die allen Zugang und Verständnis ermöglicht. Kunst und Kultur sind integratives Bindeglied. Ihre Bedeutung für die Lebensqualität der Menschen und für die Attraktivität unserer Stadt, damit auch für die Wirtschaftskraft Marburgs, kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden.

Marburg hat ein wunderbares, lebendiges Kulturleben. In der Bildenden Kunst, in Theater, Musik, Literatur, mit Museen und kultureller Bildung existiert ein breit gefächertes und hervorragendes Angebot für alle Altersgruppen, das unter Städten unserer Größe seinesgleichen sucht. Ohne eine ordentliche Kulturpolitik, aber noch mehr ohne die Künstler, die Kulturschaffenden und die unzähligen ehrenamtlichen Akteure wäre das nicht denkbar. Dieses Kulturleben will ich erhalten, fördern und ausbauen.

Wenn ich durch unsere Stadt gehe, wird die beeindruckende Vielfalt der Initiativen, Vereine und Projekte an jeder Ecke spürbar. Zudem ist für mich klar: Marburg hat auch überregional mit seinen exzellenten Kulturinstitutionen und -programmen einen exzellenten Ruf – manchmal mehr, als wir vor Ort selbst erkennen. Für mich als Oberbürgermeister werden beide Aspekte von zentraler Bedeutung sein. Kunst ist wichtig für unseren Standort, die gerechte Teilhabe an ihr ist Grundlage für alle Bildung, weil Kunst und Kultur ganz stark die Denkfähigkeit für alle anderen Lebensbereiche bestimmen. Die Förderung von Kindern und Jugendlichen ist elementar, aber auch die Chance auf lebenslange Kreativität.

In Marburg gibt es zudem ein großes Potenzial an kreativen Selbstständigen und kleinen Unternehmen. Darüber hinaus wirkt die Philipps-Universität unter anderem mit dem Institut für Bildende Kunst, ihren Museen und ihren Sammlungen in die Stadt hinein. Das gilt es gemeinsam weiterzuentwickeln. Marburg verfügt über ein reiches kulturelles Erbe, das ich als Oberbürgermeister zusammen mit Universität und Kulturträgern weiter erschließen und vermitteln möchte.

Das starke Zusammenspiel aller kulturellen Kräfte kommt nicht von alleine, sondern ist in Marburg das Ergebnis einer ausgeprägten Kommunikations-, Diskussions- und Kooperationskultur, z. B. im einzigartigen Marburger Kulturforum, das bundesweit Vorbildcharakter hat. Als Oberbürgermeister setze ich ganz klar auf den Dialog mit den Kulturschaffenden und auf die Wertschätzung ihrer Arbeit. Gräben zwischen „etablierter Kultur“ und „Soziokultur“ sind weitgehend überwunden.

Für die Bedeutung der Kultur steht auch die Kulturförderung der Stadt: Für Landestheater, Kulturstandorte und Institutionen, aber auch für die transparente Förderung einer Vielzahl von Initiativen.

Ein engagiertes Kulturamt der Stadt sorgt für neue Anstöße und Kooperationen mit Marburgs Kunst und Kultur, z. B. für Projekte wie die erfolgreichen Themenjahre „Marburg an die Lahn“, Elisabeth-Jahr, Brüder-Grimm-Jubiläum oder „Marburg aufgeSCHLOSSen“. Zugleich wird Bewährtes wie die Sommerakademie fortgeführt.

Das Areal um das Kulturzentrum Waggonhalle hat die Stadt durch den Ankauf der Flächen über ihre Wohnungsbaugesellschaft für die weitere Entwicklung gesichert. Drittes Zentrum der Soziokultur ist neben dem KFZ der Standort G-Werk im Afföller.

Mit der Sanierung des Erwin-Piscator-Hauses wird ein Meilenstein der Kulturentwicklung gesetzt und ein Zentrum der Stadtgesellschaft in der Mitte von Marburg geschaffen, das mit dem Hessischen Landestheater, der Schule, dem KFZ, der MTM (Marburg Tourismus & Marketing GmbH) in Nachbarschaft zu Museum, Universität und Kunsthalle ganz neue Chancen für das kulturelle Leben der Stadt eröffnet.

 

Was ist zu tun:

Kunst und Kultur haben für mich persönlich einen großen Stellenwert – das ergibt sich schon aus meiner Lebensgeschichte. Gute Rahmenbedingungen für Kunst und Kultur bringen uns in der Stadt als Ganzes voran. Deshalb will ich unser reiches Kulturleben erhalten und ausbauen und dabei auch einige neue Akzente setzen.

Dazu gehört die Erschließung für die Marburger und Marburgerinnen sowie für Touristen. Hierfür müssen Bund, Land, Universität und Stadt zusammenarbeiten. Für die Umsetzung stehe ich als Oberbürgermeister ganz klar. Die Schloss-Potenzialstudie bietet uns bereits reichhaltige Anknüpfungspunkte und denkt dabei alle Museums- und Ausstellungsorte der Stadt zusammen.